Dienstag, 21. April 2020

Vom Hochland Boliviens in die Pampas und zurück

Oberhalb der Altstadt von LaPaz liegt knapp 1.000 Meter höher El Alto die größte Stadt Boliviens. Heutzutage sind La Paz und El Alto verschmolzen und damit die Stadt mit dem weltweit größten Höhenunterschied. In El Alto leben die ärmeren Schichten, für Touristen ein nicht ungefährlicher Ort. Aber auch hier gibt es einige Sehenswürdigkeiten, z.B. Wrestlingkämpfe der Cholitas, der bolivianischen Frauen.
In der Altstadt findet sich der berühmte Cementerio, der größte Friedhof des Landes. Zum Glück bin ich über den 01.11. also Allerheiligen in der Stadt. Lourdes nimmt mich mit zu einem ganz besonderen Erlebnis, Allerheiligen im Kreis der Familie. Sie lebt mit Eltern, Geschwistern, Cousins, Neffen und Nichten in ElAlto. Mit dem Bus fahren wir zu ihr und lernen vieles über die Traditionen zum Dia de los Santos. Um 12 Uhr mittags des 1.11. steigen die Seelen vom Himmel herab. Die Familien bereiten ihnen zu Ehren einen Altar vor, auf dem sich symbolisch alles findet, was der Verstorbene besonders gern mochte. Speisen, Getränke, Hobbies. Im Kreis der Familie gedenkt man der Verstorbenen. Im Gegenzug für ein Gebet zum Andenken an diesen erhalten wir Besucher Gebäck, dass ähnlich wie unsere Weihnachtsplätzchen nur für diesen Anlass gebacken wird. Am nächsten Tag begeben sich alle Familien auf den Friedhof. Am Grab wird bis 12 Uhr weiter gefeiert. Essensreste gehen an Bedürftige. Um 12 steigt die Seele wieder gen Himmel. Der Cementerio ist ein Ort voller Leben, voller Musik und wunderbaren Graffiti!


Neben Bussen hat LaPaz noch ein ganz besonderes öffentliches Verkehrsmittel, die Seilbahnen! Mit dem Teleferico schwebt man über die Stadt von Aussicht zu Aussicht und wir kommen so auch zum Cementerio, trotz Unruhen in den Straßen. Eine ganz besondere und sichere Stadtrundfahrt im öffentlichen Nahverkehr.





Rurrenabaque - die Pampas von Bolivien

Nach diesen Einblicken in die Stadt geht es von La Paz in das Tiefland Boliviens, die Pampas.
12 Stunden Busfahrt durch die Nacht, meist im Schneckentempo. Alles was ich aus dem Busfenster sehe sind Abgründe, Nebel und riesige Schlaglöcher. Von 3.640 m geht es stetig abwärts. Von ungefähr 0°C geht es ständig aufwärts.
Am nächsten Morgen in den Pampas bei Rurrenabaque auf 274 m hat es ca. 30°C, Sonnenschein, tropische Früchte und hohe Luftfeuchtigkeit.

Verrückt, wieviele Klimazonen sich in diesem Land vereinen.

Meine Tour beginnt um 10 mit einer dreistündigen Fahrt in die Yungas zum Rio Yacuma bei Santa Rosa. Eine frische Schotterpiste sorgt für aufrüttelnde Erlebnisse, ich freue mich schon auf das ruhige Boot. Am Fluss angekommen packen wir unser Gepäck und uns in mehrere Einbäume. (Gepäckbeschränkung 1 Rucksack pro Person).
Wow, schon geht es los auf eine abenteuerliche Flussfahrt. Im Einbaum und somit ganz nah dran am Wasser - und den zahlreichen Krokodilen, die links und rechts an der Uferböschung liegen und uns mit aufgerissenen Mäulern beobachten. Tausende sind es, die diesen Fluss bevölkern. Hauptsächlich die kleineren Kaimane (1-2m lang), aber auch einige Alligatoren (3-6m). Schwimmen eher keine gute Idee. Oder?

1 Stunde später, an einer Flussbiegung:

Hier leben rosa Flussdelfine. Diese netten Gesellen schützen ihren Flussabschnitt vor Krokodilen, sodass man inmitten der Delfine gefahrlos baden kann. Ein Delfin streicht mit minutenlang um die Beine und lässt sich streicheln. Von den anderen sieht man nur die Blaslöcher aus dem Wasser tauchen.

Im Camp beziehen wir erstmal unsere Hänge-matten.

Die Geräuschkulisse des umgebenden Waldes ist einmalig, Brüllaffen, Vögel...

Zur Dämmerung steigert sich der Chor, Zeit für den Aufbruch zur Nachtsafari und zum Sundowner. Im Dunkeln leuchten die Augen der Krokodile gefährlich nah, rote und gelbe Lichtpunkte - hoffentlich hält der Motor! Dann Stille, der Motor ist aus. Die Geräusche des Waldes umso lauter. Eine Zeitlang treiben wir durch die Nacht. Ganz nah an der Natur.

Der nächste Morgen - Safari zum Sonnenaufgang über den Pampas. Strahlendes grün, leichter Nebel. Gummistiefel an und los geht es auf Pirsch. Wir suchen eine Anakonda. Und wir haben Glück, nach 1h Marsch dieses Exemplar schlafend im Baum zu finden:


Auf dem Weg zum Piranhafischen (wer frisst da wohl wen) wollen noch Totenkopfäffchen mit Banane gefüttert werden.

Und kennt ihr diese süßen Flussbewohner schon? Capybaras (Wasserschweine) leben in Großfamilien am Fluss, erstaunlich einträchtig mit den Krokos.















Die Pampas - ein unglaublich vielfältiges Natuschauspiel, dass ich jedem sehr an Herz legen kann. Solche Tierbegegnungen sind nur noch in wenigen Gegenden der Welt möglich. Doch achtet auf die Agentur mit der ihr bucht, nicht allen liegt der Schutz des Gebietes am Herzen. Ich habe auch diese Tour über AllTransport in La Paz gebucht.

Und als beliebten Snack vom Straßenstand muss ich euch diese köstlichen Papas Rellenos vorstellen.
Kugeln aus Kartoffelteig mit Hackfleischfüllung, die mit reichlich Würzsaucen garniert werden. Am Straßenstand gibt's meistens ca.5 Soßen zur Auswahl, die beste hierzu ist eine fruchtige Mischung aus Frühlingszwiebel, Chili und Apfel in Essig.

Zutaten für 2 Portionen:
5 große Kartoffeln
300 g Hackfleisch
1 Zwiebel
1 Tomate
1/2 EL Chilipulver / oder die weniger scharfe Variante mit Paprikapulver
1/2 TL Kreuzkümmel
1/4 Tasse Erbsen
1/4 Karotte
3 Eier
3 EL Mehl
1/8 Tasse Milch
1 Msp. Backpulver
Etwas Öl, Salz, Pfeffer

Zubereitung:
Die Kartoffeln in einem Topf Wasser garen (ca. 20 Minuten). 1 Ei hartkochen (ca. 10 Minuten) und pellen, dann in große Würfel schneiden. Zwiebel, Tomate und Karotte sehr fein würfeln.
Die gekochten Kartoffeln schälen und zu Kartoffelbrei stampfen bzw. durch eine Kartoffelpresse drücken. 1 Ei, sowie 1 TL Salz hinzugeben und vermengen bis die Masse cremig ist.
Etwas Öl in einer großen Pfanne erhitzen und die Zwiebel darin andünsten, dann das Hackfleisch und die Karotte hinzugeben und anbraten. Tomaten, Erbsen hinzufügen und mit Salz, Chili, Kreuzkümmel und Pfeffer würzen. Eine halbe Tasse Wasser hinzufügen und 10-15 Minuten leicht köcheln lassen. Dann auskühlen lassen.

Nun werden die Bällchen geformt. Hierzu nimmt man eine Portion Kartoffelbrei in die Handfläche, formt eine Kugel und drückt in diese mit dem Daumen ein großes Loch. Dieses wird mit einem Esslöffel der Fleischmischung sowie einem Stück des hartgekochten Eis gefüllt und dann mit etwas Kartoffelbrei verschlossen. Die Kugel anschließend gleichmäßig rund formen Sie muss gut verschlossen sein, damit die Füllung beim Frittieren nicht herausläuft.
Diese Prozedur wird nun solange wiederholt bis Kartoffelbrei und Füllung aufgebraucht sind.

Sind die Bällchen fertig wird noch die Teigkruste vorbereitet. Hierzu ein Ei mit der Milch aufschlagen,  Mehl und Backpulver sowie etwas Salz hinzufügen und rühren bis keine Klümpchen zu sehen sind.
In einem Topf Öl zum Frittieren erhitzen. Sobald das Öl heiß ist die Bällchen erst im Teig wenden, dann im Öl frittieren. Sie sind fertig, sobald sie goldfarben sind und eine leichte Kruste haben.
Auf Küchenpapier abtropfen lassen und mit reichlich Aji servieren.

Hoch, höher, Bolivien

Ja, so hoch kommt man selten. Ein Land dass sich in weiten Teilen über 3.000 Metern befindet und unter anderem über das höchstgelegene kommerziell schiffbare Gewässer verfügt (den Titicacasee mit 3.812 m). Nach einem Monat Peru gelange ich über die Grenze von Kasani bei Puno nach Bolivien. Vorher noch ein letztes extra peruanisches Frühstück: Am Straßenstand gibt es herrlich warmes Qinua & Maca. Und dazu einige merkwürdige Blicke von den Einheimischen auf die einzige Weiße, die sich aus dem Busterminal auf die Straße traut und dann auch noch kauft und genießt was es da gibt.
Die Grenze überqueren mir mir zahlreiche Bolivianerinnen in traditioneller Kleidung. Wir müssen zu Fuß gehen und unsere Stempel einsammeln. Auf der einen Seite der Schranke gibt es knallbunte Plastikdosen, Klopapier und ähnliches in rauen Mengen. Von der anderen Seite klettern bunt gekleidete Menschen über die Absperrkette, die die Grenze markiert. Ein herrliches Farbschauspiel. Eine Bäuerin zieht ihre Alpakas hinter sich her.




An der Copacabana, direkt am Titicacasee, strahlt die Sonne. Doch es ist kalt! Auf knapp 4.000 m Höhe täuscht das Wetter. Im Ort findet die legendäre Autotaufe statt. Bolivianer aus dem ganzen Land versammeln sich hier täglich vor der Kathedrale und schmücken ihre Autos mit Blumen um sie dann segnen zu lassen. Frei nach dem Motto - ich kann fahren wie ich will, Gott hält seine schützende Hand über mich. Und dieses Gottvertrauen merkt man auf den Straßen Boliviens! Für "Ungläubige" ein amüsantes Ritual wenn pünktlich um 13 Uhr die Priester aus der Kirche treten und ca. 30 versammelte Autos segnen. Auf dem Markt von Copacabana stoße ich auf ein interessantes Getränk: Malzbier mit Eischnee. Das genaue Rezept ist leider unauffindbar. Doch das kulinarische Highlight der Copacabana gibt es um ca. 2,50 € am Hafen: Frische Forelle mit Salat und Patacones an den zahlreichen Hafenrestaurants!



Zweimal täglich fahren Boote über den See zur Isla del Sol, viele Anbieter, ein Preis. Der Besuch ist absolut lohnenswert! Die Isla del Sol ist eine wichtige Stätte der Inkakultur, autofrei, gesäumt von steinigen Pfaden, voller Esel & Ruinen und leider auch geprägt von einem politischen Konflikt zwischen Süd- und Nordteil. Leider ist deswegen nur eine Hälfte der Insel zu besuchen. Ein erster Eindruck der bolivianischen Streitfreudigkeit, die leider meinen ganzen Aufenthalt in diesem wunderbaren Land prägt. Ich freue mich während einem Tag auf der Insel besonders über den Duft des Eukalyptuswaldes.Kurz gehe ich sogar schwimmen, soll ja keiner sagen ich wäre nicht IM Titicacasee gewesen. Es ist  kalt, aber herrlich!

Während der Tage an der Copacabana findet die Präsidentenwahl in Bolivien statt, wie sich herausstellt ein ungünstiger Zeitpunkt um das Land zu bereisen. Erste Proteste schränken die Bewegungsfreiheit ein. Ich reise weiter nach La Paz, der Hauptstadt. Dort wird demonstriert, einige Straßenzüge und Sehenswürdigkeiten sind bereits gesperrt. Vom gemütlichen Wooden Wasi Hostel erkunde ich die Stadt soweit wie möglich. Die Bevölkerung ist sehr unruhig. Das Stadtzentrum rund um die Sagarnaga Street kann man besichtigen. Hier reihen sich die Touranbieter aneinander, daneben Souvenirshops mit Strickwaren und Silberschmuck.
Das Stadtzentrum ist verwinkelt, voller Street Art und Straßenmärkten mit buntestem Treiben. Der Mercado Roriguez hat mir als Lebensmittelmarkt am besten gefallen, authentisches Treiben, wenig Souvenirs stattdessen frische Früchte! Der Mercado de las Brujas ist völlig überbewertet und inzwischen ein reiner Touristenshop. Ein Blick in das alte La Paz gewährt die Calle Jaen, eine komplett erhaltene uralte Gasse mit schönen Galerien, Museen und Cafés. Nebenan finde ich einen Weinladen - kennt jemand bolivianischen Wein? Der Inhaber stammt von einem Weingut aus dem Süden Boliviens und erklärt mir die Besonderheiten des lokalen Weinbaus.

Im Hostel erzählt mir jemand vom Huayna Potosi, angeblich einem der leichtesten 6.000er Gipfel weltweit. Nunja, so gut akklimatisiert bin ich wohl nie wieder. Also rauf auf den Berg denke ich mir. Spontan buche ich bei AllTransport (sehr zu empfehlen) meine Bergtour für den nächsten Tag. Ausrüstung und der unglaublich allwissende, professionelle Guide Theo inklusive. Und gleich vorweg - wegen der extrem guten Erfahrung buche ich auch alle weiteren Ausflüge in Bolivien über AllTransport und meine persönliche Lieblingsansprechpartnerin Lourdes.


Gute Vorbereitung ist alles, am Vortag der Bergtour geht es zur Anprobe des Ausrüstung. Skianzug, Fleecejacke, Handschuhe, Mütze, Bergstiefel, Steigeisen, Gamaschen, Helm, Eispickel, Klettergurt. All das will am nächsten Tag auf den Berg getragen werden (in meinem Rucksack und dazu noch Schlafsack und Proviant). Die Qualität der Ausrüstung ist sehr gut, ein wichtiges Kriterium für die Auswahl des Anbieters. Denn davon hängt die Sicherheit bei solchen Bergtouren in großem Maß ab.
Früh am nächsten Morgen dann: Aufbruch in die Berge. Ich bin allein mit Guide Theo und dem Fahrer. Ca. 3 Stunden fahren wir zum Basecamp, wieder einmal durch begeisternde Natur. Dort ein lustiges Wiedersehen. Ein Mitwanderer aus Peru kommt eben von seinem Versuch der Bergtour zurück. Schlechte Neuigkeiten, er hat es nicht geschafft und erzählt, dass aus seiner Gruppe von 10 Personen lediglich 2 am Gipfel angekommen sind. Und ich soll das Schaffen?
Am Basecamp warten auf die 2. Teilnehmerin unserer Tour. Sie kommt dann doch nicht, hat es sich doch nicht zugetraut.
Wir starten also allein mit dem ersten Aufstieg zu unserem Camp für die Nacht. 3-4 Stunden geht es über Geröll steil bergan, dort unsere Hütte und dieser Blick.


Theo benennt alle Berge, er kocht Abendessen und ich haben Zeit meine Ausrüstung zu sortieren. Waschen ist nicht - das Wasserfass ist gefroren. Allein in der Hütte (die aus dünnen Plastik- und Holzbrettern besteht) mit Schlafplätzen für 10, ein ruhiger Abend mit Erzählungen von Theos Erlebnissen am Berg. Es ist eiskalt, ein heulender Wind weht. Wir sind auf 5.200m, die Luft ist sehr dünn. Ich versuche zu schlafen, denn bereits um 1 Uhr morgens werden wir losgehen.
Doch mit Luftmangel und Kälte ist an Schlaf nicht zu denken. Ein paar Stunden dösen, dann ein paar Kekse und Tee (ein Frühstück wäre vor der Wanderung zu viel zu verdauen). Ausrüstung an, Stirnlampe an. Die Seilschaft steht. Ca. 3m Seil verbinden uns und schützen hoffentlich vor dem Absturz in eine der Eisspalten am Berg.
Wir laufen - und laufen durch die Nacht. Ein Schritt vor den anderen, ab und zu sieht man in weiter Ferne Lichter - La Paz. Meist ist es dicht bewölkt.
Volle Konzentration auf den nächsten Schritt, das nächste Luftholen. Ab und zu eine kurze Pause für ein paar Schluck Tee. Wir begegnen anderen Gruppen, alle haben das gleiche Ziel. Ca. 20 Personen haben sich heute aufgemacht.
Die Luft wird immer dünner, Kopfschmerzen und Schlafmangel machen es nicht einfacher. Ebensowenig der tiefe Schnee. An einigen steilen Stellen klettern wir überfrorene Felswände hoch, ohne Eispickel und Steigeisen keine Chance. 5 Stunden sind wir unterwegs zum Gipfel. Ab der zweiten Hälfte ein eisiger Schneesturm. Der Rythmus ist ungefähr 10 Schritte laufen - Pause - 10 Schritte laufen.
Aber: Zum Anbruch des Tages sind wir oben! 6.088 m. Leider wird das Erlebnis nicht vom Ausblick gekrönt, die Sichweite im Schneesturm beträgt ca. 2m. Doch der Gipfel ist bezwungen.
Und mein Rat: Traut euch! Es lohnt sich, ob mit oder ohne Blick!

Der Abstieg dauert weitere 3 Stunden. Unten scheint die Sonne, es gibt Frühstück. Dann packen wir zusammen und mit großem Gepäck folgt Teil zwei des Abstiegs, nochmal 2 Stunden zurück zum Ausgangspunkt. Wieder im Hostel habe ich wohl selten so gut geschlafen!

Sonntag, 9. Februar 2020

Peru - ein Wanderhimmel

Der Colca Canyon - steile Wege und andine Terrassen
Schon die letzten beiden Blogeinträge haben von mehrtägigen Wanderungen durch die karge Gebirgswelt Perus gehandelt. Man bekommt ja fast das Gefühl, in Peru kann man nur wandern?
Ja, tatsächlich - abgesehen von kurzen Abstechern in die lebendigen Städte sind Wanderungen definitiv der beste Weg das Land zu erleben. All meine persönlichen Peru-Highlights haben sich während Wanderungen ereignet - die tollsten Begegnungen, die schönsten Ausblicke, das beste Essen...





Eine ganz besondere Begegnung war die mit Greta, einer Finnin auf meiner Wanderung in Huaraz. Aus dieser Begegnung hat sich mein nächster Reisestopp ergeben - das wunderschöne Arequipa und der Colca Canyon.

Arequipas Kathedrale
Die Gassen von Arequipa

Die "weiße Stadt" Arequipa mit mediterranem Flair ist ganz aus weißem Vulkangestein der umgebenden Vulkane gebaut. Für viele Touristen ist sie lediglich Ausgangspunkt für Wanderungen im Colca Canyon, aber die Stadt selbst hat eine leckere Restaurantszene und lädt zum entspannten bummeln ein. Sehenswert sind außerdem die große Katehdrale und das Kloster Santa Catalina, das quasi eine Stadt innerhalb der Stadt ist.
Nachts in Arequipa
Mich hat Arequipa vor allem mit seinem leckeren Essen und dem tollen Markt San Camillo fasziniert. Lokale Spezialitäten gibt es einige - z.B. Rocoto Relleno, Bunuelos und Queso Helado, Rocoto Relleno sind gefüllte scharfe Paprika, für mich als Liebhaberin von scharfem Essen natürlich perfekt. Bunuelos sind frittierte Teigkrapfen, die ähnlich wie Langos mit verschiedensten Toppings gegessen werden. Und Queso Helado ist zum Glück kein geeister Käse, sondern eine Eiscreme nach altem Rezept aus Kondensmilch.
Aber Arequipa gibt's nicht nur am Tag. Dank der lieben Greta konnte ich auch das Nachtleben sicher erkunden und einen "tourifreien" Geheimtipp der Locals entdecken.

Für einen gelungenen Abend empfehle ich Pisco Sour und Life Musik im Selina's, einem hippen Hostel mit tollem Garten und richtig guten Barkeepern. Und im Anschluss  klopft man 2 Straßen weiter an einer unscheinbaren Tür um das wahre Nachtleben zu entdecken - das La Cachina.
Colonial Azul Arequipa


Doch das Beste an Arequipa war die wunderbare Unterkunft im Azul Colonial, dem Hotel von Greta und ihrem Mann in das mich die beiden so großzügig eingeladen hatten. Nach Wochen in Schlafsälen könnt ihr euch nicht vorstellen wie willkommen so ein gemütliches Einzelzimmer mit privatem Bad ist. Gute Gelegenheit den Rucksack einmal komplett auszuräumen und mich neu zu organisieren.
Das gemütliche Boutique Hotel liegt im reichen und historischen Stadtteil Yanahuara, direkt neben dem beliebten Aussichtspunkt Mirador Yanahuara mit Blick über die Stadt. Ein gemütlicher Innenhof, bunte Kissen und die lockeren Gastgeber laden zum Ankommen und Wohlfühlen ein.





Landwirtschaft am Rand des Canyons
Es zieht mich in die Natur, eine weitere Herausforderung wartet mit dem dritttiefsten Canyon (hierüber herrscht Uneinigkeit, je nach Messung gilt er auch als der Tiefste) der Welt.
Den Colca Canyon mache ich im Alleingang, nach zwei geführten Wanderungen sollte diese Zweitageswanderung problemlos machbar sein. Und so ist es auch - fast ohne anderen Menschen zu begegnen wandere ich steil hinab und steil hinauf. Bei ca. 35 Grad, brennender Sonne und mit einem Rucksack voller Proviant und Wasser sind die 1.100 Höhenmeter auf Fels und Sand eine anstrengende Angelegenheit...

Blick auf die Oase im Colca Canyon
 Erster Abschnitt: Von Cabanconde auf 3.300m zur Oase auf 2.210m in 2h10min. Dort unten im Canyon liegt eine Oase mit (frei für Hostelgäste) zugängliche Pools unter Palmen! Nach einer Runde schwimmen muss ich aber weiter - 2. Abschnit: An der anderen Canyonwand wieder zur Hälfte hinauf auf 2.656m, dann vorbei an den beiden Dörfern Malata und Cosninhua und wieder runter Richtung Fluss nach San Juan auf 2.435m in 3h20min. Was ein Weg um am Abend endlich im einfachsten Hostel der ganzen Reise (Posada Gloria) ins Bett zu fallen.


Antike Pfade und Bewässerungssysteme
Der zweite Abschnitt ist wenig begangen, mir begegnen 2 Wanderer, und schwierig zu finden. Trotz Maps.me irre ich eine Weile durch die vor Hunderten von Jahren angelegten Terrassenfelder mit Apfel- und Avocadobäumen, Kakteen und ein paar Schafen. Die Terrassen sind durch eine Vielzahl von Pfaden und einem Bewäserungssystem aus steinernen Rinnen verbunden und eigentlich muss man nur bergab. Doch folgt man einem Pfad macht dieser plötzlich einen Knick und führt in eine ganz andere Richtung. Also zurück, ein anderer Pfad wird ausprobiert... So geht es bis zum herrlichen Garten der Posada Gloria. Dort ein Zimmer ohne Strom, die einzige Lichtquelle eine Kerze an der Wand. Die Wanderung fühlt sich an wie eine Wanderung in eine andere Zeit!


In der Posada sind die Avocados reif - juhu :-D Gerade war der Rucksack etwas leichter, schon wird er wieder richtig schwer - bepackt mit Avocados laufe ich am nächsten Morgen um 5 los um vor der großen Hitze am Canyonrand anzukommen. In 4h geht es im steilen Zickzack auf 3.360m. Und oben kreisen die Condore - beeindruckend!




Rezept zu Arequipa: Rocoto Relleno mit Pastel de Papas
Das Gericht ähnelt gefüllten Paprika mit Kartoffelgratin. Im Gegensatz zu anderen gefüllten Paprika werden hier jedoch scharfe Chilischoten der Sorte Rocoto gefüllt. Da es diese in Deutschland nicht zu kaufen gibt muss man zum Nachkochen wohl auf normale Paprika ausweichen und entsprechend die Füllung mit reichlich Chili würzen. Als Beilage gibt es Kartoffelgratin, dass die Schärfe des Gerichts angenehm abrundet.

Rocoto Relleno
Zutaten für 2 Personen:
2 große rote Paprika oder 4 Rocotos
200 g Rinderhackfleisch
1 große rote Zwiebeln
100 g gestückelte Tomaten (aus der Dose)
1 EL Erdnüsse geröstet
2 TL Rosinen
1 Ei
2-4 Oliven
100 g Hartkäse (Emmentaler o.ä.)
etw. Öl
Chili, Salz, Oregano, frische Petersilie


Zubereitung:
Die Rocotos werden vorab in Wasser mit etwas Zucker weichgekocht um ihnen Schärfe zu nehmen. Bei Paprika ist dies nicht nötig.
Zuerst einen Deckel von den Paprika abschneiden und die Kerne ausnehmen. Die Zwiebeln, die Petersilie und Erdnüsse fein hacken. Das Ei in ca. 8 Minuten hart kochen.
Etwas Öl in einer Pfanne erhitzen und die Zwiebeln zusammen mit dem Hackfleisch anbraten. Erdnüsse, Rosinen und Tomaten hinzugeben. Das Ei würfeln und ebenfalls hinzugeben. Mit Chili, Salz und den Kräutern pikant abschmecken.
Die Paprikaschoten mit dieser Masse befüllen und je eine Olive darin verstecken. Eine Auflaufform mit etwas Wasser füllen, sodass der Boden ca. 2-3 cm hoch bedeckt ist. Die Paprikaschoten hineinstellen. Auf die Schoten nun jeweils eine Scheibe Käse und den zuvor abgeschnittenen Deckel legen. Die Paprika bei 180° in ca. 20 Minuten im Ofen garen.

Pastel de Papas
Zutaten für 2 Personen:
4 mittelgroße Kartoffeln
150 ml Milch
2 Eier
Nach Belieben geriebenen Käse
Salz, Pfeffer, Muskatnuss

Zubereitung:
Die Kartoffeln in Salzwasser ca. 20 Minuten garen bis sie durch, aber noch nicht weich sind.
Die Eier mit der Milch verquirlen und mit den Gewürzen abschmecken. Die gekochten Kartoffeln schälen und in dünne Scheiben schneiden. Diese in eine Auflaufform schichten und mit der Eiermilch übergießen. Mit geriebenem Käse bestreuen und bei 180° ca. 25 Minuten im Ofen backen.




Samstag, 23. November 2019

Das touristische Zentrum Perus – Cusco und der Macchu Pichu

Viele Wege führen zum Zentrum der Inka-Kultur. Sei es der weltberühmte Incatrail oder eine Fahrt mit dem Zug durch die Anden. Egal mit welchem Transportmittel, den Macchu Pichu besucht wohl jeder Tourist in Peru. Auch für mich natürlich ein Must-Do, allerdings wollte ich mir den Blick auf diese weltberühmte Ruinenstadt richtig verdienen. Deshalb habe ich mich dafür entschieden auf dem Salkantay Trek in insgesamt 5 Tagen zum Macchu Pichu zu wandern.

Cusco, die ehemalige Hauptstadt des Inkareiches, ist Ausgangspunkt für alle Touren Richtung Macchu Pichu. Säulengänge, steile Gassen und geschnitzte Balkone prägen das Stadtbild. Hinter den Toren warten hübsche Innenhöfe, die spanische Kolonialarchitektur ist hier sehr gut erhalten und macht einen Spaziergang durch die Stadt zu einem Augenschmaus! Die heutige Stadt wurde auf den Ruinen der alten Inkahauptstadt erbaut. Deren Grundmauern sind an manchen Orten, z.B. am Kloster Santo Domingo, noch zu erkennen. Hier stand einst der Tempel des Sonnengottes. Die Stadt ist heute UNESCO Welterbe. Und hier finde ich endlich mein persönliches Peru-Souvenir. Eine handgestrickte mütze, die ich bei dieser Dame auf dem Foto erwerbe.
 

Zum Start des Salkantay Treks heißt es früh aufstehen. Um 4.30 werde ich am Hostel abgeholt und wir fahren einige Stunden nach Mollepata zum Ausgangspunkt des Treks. Wir sind 13 Personen aus der ganzen Welt die nun zusammen wandern – Gruppenname „Vicuñas", benannt nach den zähen Vierbeinern, die in den Anden zuhause sind. Gebucht habe ich übrigens über MacchuPichuGreat. Eine günstige Option mit herausragendem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Am ersten Tag starten wir entspannt und wandern ca. 2 Stunden entlang alter Wasserleitungen der Inkas über Wiesen zum ersten Camp in Soraypampa. Von hier führt ein einstündiger steiler Anstieg über Weiden zur tiefgrünen Laguna Umantay die im Sonnenlicht glitzert. Im Camp erwartet uns ein grandioses Abendessen des Kochs Oscar, mit so guter Verpflegung macht das Wandern gleich noch mehr Spaß!

Nachts wird es kalt, immerhin befinden wir uns auf 3.900m. Das Wetter schlägt um und am nächsten Morgen regnet es leicht. 10 Stunden Wanderung oder 19km haben wir vor uns. Zuerst geht es auf den Salkantay Pass, zum höchsten Punkt des Treks. Im Anschluss folgen 5 Stunden Abstieg zum Camp auf 2.800m. Richtung Pass wird das Wetter immer schlechter sodass wir den Fotostopp aufgrund von kaltem Wind und Regen recht kurz halten. Zeit für die traditionelle Zeremonie für unser Reiseglück muss trotzdem sein. Wir alle haben flache Steine gesammelt die wir nun auf 4.630m zu einem Turm stapeln. 3 Cocablätter, die vorher in Richtung der umliegenden Gipfel angepustet werden, liegen jeweils zwischen den Steinen. Ein Dankesspruch (auf Quechua, daher kann ich ihn leider nicht wiedergeben) folgt und der Turm wird mit Rum begossen.

Durch Schlamm und Regen geht's zum Camp. Das Klima und die Vegetation wandeln sich auf dieser Strecke von eisigem Andenklima und kargen Felsen zu subtropischen Temperaturen und dichtem, grünem Wald. Durch diesen geht es am folgenden Tag auf schmalen Pfaden entlang des Flusses Lluskamayo weiter. Völlig durchnässt vom Dauerregen können wir am Nachmittag das letzte Wegstück in Minibussen zurücklegen. Teilweise sind die Straßen aufgrund von Erdrutschen nicht mehr passierbar. Abends im Camp klart der Himmel auf, das Gepäck kann endlich trocknen und wir feiern eine Party mit zahlreichen anderen Wandergruppen.

Bei endlich wieder Sonnenschein (und dazugehöriger großer Hitze) machen wir uns auf die letzten 16km zum Macchu Pichu bzw. Aguas Calientes, dem Touristendorf am Fuß des Macchu Pichu auf. Eine letzte kurze Nacht steht noch zwischen uns und dem großen Finale.
Der Nationalvogel Perus,  der Andenfelsenhan

Aguas Calientes 



Morgens um 3 heißt es dann aufstehen. Für den ultimativen Blick auf den Macchu Pichu im Morgenlicht (und ohne andere Touristen im Bild) muss man sich an einen straffen Zeitplan halten. Um 5 öffnet die Brücke, der erste Kontrollpunkt auf dem Weg zum Berg. Um spätestens 4.30 sollte man hier sein, da sich bereits eine Schlange erwartungsvoller Frühaufsteher bildet. 30 Minuten braucht man von Aguas Calientes zur Brücke. Nach der Brücke folgen 400 Höhenmeter Treppensteigen, die ich in 35 Minuten absolviere. Zusammen mit anderen aus meiner Gruppe sind wir so tatsächlich die ersten am Tor. Puh…. Das Ticket zum Macchu Pichu erlaubt den Zugang nur zu einer vorher festgelegten, aufgedruckten Zeit. Bei der Buchung muss man also darauf achten ein Ticket für den ersten Zeitslot um 6 Uhr zu bekommen! Bis das Tor um 6 öffnet haben sich hier ungefähr 150 Menschen versammelt. Doch yeah, wir sind tatsächlich die ersten. Und für diesen Blick hat sich der Frühsport mehr als gelohnt:

Die nächsten 4 Stunden warten Hunderte grandioser Aus- und Einblicke in das heilige Zentrum der Inkas und UNESCO Weltkulturerbe. Ohne Mörtel, nur durch perfekt behauene Steine entstand hier ab 1450 eine Stadt mitten in den Bergen. Macchu Pichu bedeutet der „Alte Berg" und man beachte die Aussprache. Richtig ausgesprochen wird der Name „Maktschu Pitschu" – ohne das K bedeutet es etwas völlig anderes und nicht jugendfreies ;-)

Terrassen für den Anbau von Getreide und insgesamt 216 Gebäude sind über Treppen verbunden. Ein ausgeklügeltes Leitungssystem verteilt Wasser über die ganze Stadt, für die damalige Zeit sehr beeindruckend! Am höchsten Punkt steht der Tempel des Sonnengottes von dem aus auch astronomische Beobachtungen durchgeführt wurden. Für einen anderen Blick auf die Stadt empfehle ich den Abstecher zum Sonnentor (auch wenn das nochmal einige Höhenmeter bedeutet).

In 4 Stunden kann man die Stadt entspannt besichtigen. Als unsere Gruppe aufbricht ist von der morgendlichen Ruhe allerdings nichts mehr zu spüren. Scharenweise schieben sich jetzt Touristen durch die Stadt. Da man auf einem festgelegten Pfad durch die Ruinen geleitet wird bilden sich inzwischen richtige Staus an den Highlights des Rundgangs.

Bis zur Rückfahrt nach Cusco sind es nochmal 3,5 Stunden Wanderung. In rasenden Minibussen erreichen wir dann endlich um 9 Uhr abends die Stadt. 5 lange Tage, 1000 Fotos und ein grandioses Erlebnis mehr!

Rezept zum Salkantay-Trek: Quinoa-Suppe
Auf all den Mehrtageswanderungen die ich in Peru gemacht habe war diese Suppe fast täglicher Bestandteil des Speiseplans. Als Vorspeise ist sie eine der beliebtesten Suppen in den peruanischen Anden.

Zutaten:
1 Tassen Quinoa
1,5 Liter Wasser
1 Tasse Karotten in dünne Stifte geschnitten
1 Tasse Stangensellerie in dünne Scheiben geschnitten
2 EL Maismehl
3 TL Salz
Kräuter

Zubereitung:
Quinoa zunächst gründlich waschen. Wasser und Quinoa in einen Topf geben und ca. 15 Minuten kochen lassen. Danach das geschnittene Gemüse, Salz und Gewürze hinzugeben. Das Maismehl mit etwas kaltem Wasser anrühren und ebenfalls hinzugeben. Anschließend unter ständigem Rühren weitere 40 Minuten kochen lassen. Nach Bedarf mit etwas frischen Kräutern abschmecken und warm servieren.